Münstersche Zeitung 17.02.2009

Und die Hoffnung ist – tröööööt !
Wahnwitziges Musikkabarett mir Ars Vitalis - Christian Kiel

Am treffendsten wäre es, stünde hier nur: Gehen Sie hin und sehen Sie sich „Ars Vitalis” selbst an. Die „Muzik als Theater” der drei Jazz – Kabarettisten Klaus Huber, Peter Wilmanns und Buddy Sacher lässt sich zwar ausgiebig beschreiben, dennoch greifen Worte für Ihre expressionistisch-absurden Auftritte wahrscheinlich immer zu kurz. Sie spielen daher auch in Ihrem Programm „Fahrenheiten”, das das Trio am Freitagabend im Kreativ-Haus darbot, nur eine geringe Rolle.

„Ars Vitalis” sind ein Gesamtkunstwerk. Die drei Männer erschaffen in etwa zwei Stunden eine wahnwitzige Show, bei der sich Wahn und Witz genial die Waage halten. „Fahrenheiten” begann, indem die Künstler nur durch Knarz- und Knackgeräusche aus ihren matschig-schlammfarbenen Zelten auf sich aufmerksam machten. In tiefes blaues Licht gehüllt schien die Bühne wie ein Zitat aus Robert Wienes expressionistischem Filmklassiker „Das Cabinet des Dr. Caligari”. Im ausverkauften Kreativ – Haus machte sich Spannung im Publikum breit.

Ein Tag aus einem Ei

Nach und nach krochen die Künstler hervor und taten einzelne Sätze kund. „Ein Tag wie aus dem Ei”, stellte etwa der in pinkfarbenem Licht gleißende Schlagzeuger Klaus Huber fest. „Wie vieles andere ist auch dieser Tag krumm.” Die sublime Komik, die das Publikum prusten, giggeln, kichern ließ, entstand dabei aus Widersprüchen oder unerwartet aufgelösten Spannungen. Mit todernsten, gravitätischen Bewegungen oder nahezu konstant durchgehaltener Sauertopfmiene ( Huber ) präsentieren die Künstler vermeintlich ewige philosophische Wahrheiten. Buddy Sacher: „Alles ist schon da gewesen, und die Hoffnung ist” – tröööt! Peter Wilmanns Saxofon platzte da in den Satz hineine, das Publikim juchzte.

Freejazz und Rock


Überhaupt drückte die Musik der drei Kabarettisten viel mehr aus als die absurden Episoden dazwischen. Das Trio bewegte sich mit Schlagzeug, Gitarre und Saxofon zwischen Chansons, Marschrhythmen, Freejazz, Rocksongs. Dazu kreierten die Musiker unbeschreibliche Klangorgien aus Klebeband, Plastikflaschen und einer Sammlung obskurer Instrument. Der Programmtitel erwies sich dabei als ausgesprochen präzise: „Fahrenheiten” drehte sich ums „Fahren”, ums Reisen, aber auch um Hitze. Die Temperatur diese Programms ist jedenfalls enorm hoch.


Ein Tag wie aus dem Ei
Becketts Erben: Das Trio Ars Vitalis misst "Fahrenheiten"
HANS-WILLI HERMANS


Es ist so wie immer bei Ars Vitalis: Etwas nimmt seinen Lauf, etwas geht zu Ende, ohne dass je der endgültige Stillstand einträte. Doch mit seinem neuen Programm "Fahrenheiten", das am Wochenende Premiere in der Comedia hatte, bezieht sich das Trio noch expliziter als gewohnt auf das absurde Theater Samuel Becketts.
Stoische, von der ganzen Last ihres sinnlosen Tuns niedergedrückte Figuren stolpern hier müde und mit steifen Hüften durch eine endzeitliche Welt. Die besteht in der Hauptsache aus versifften, bunkerähnlichen Schutzräumen - und nur noch ein lädierter Teddybär weckt Erinnerungen an Geborgenheit und Wärme. Vereinzelte Dialogfetzen haben sich fast wörtlich aus dem "Endspiel" in die Welt der "Fahrenheiten" gerettet. So die lapidare Feststellung "Es gibt keine Natur mehr", die immerhin über die Assoziation einer fortschreitenden Erderwärmung mit den vorausgesagten katastrophalen Folgen den Titel "Fahrenheiten" erklären könnte. Doch wie bei Beckett geht es um mehr, zelebrieren traurige, im Slapstick bewanderte Clowns eindringlich den nagenden Zweifel an einer ganzen Kultur und ihren Ansprüchen auf Sinngebung.
Unerbittliche Verlustmeldungen wie "Sie verlieren ihre Haare, sie verlieren ihre Zähne, sie verlieren ihre Ideale" zwingen die Reste von Ethik und Moral gnadenlos mit dem Physisch-Banalen zusammen, und wenn Klaus Huber sich wie Becketts Hamm an einem erhabenen Monolog versucht, tobt sich die Suche nach dem Kairos, dem besonderen, entscheidenden Augenblick, beim Anzünden eines Ölofens aus.
Doch sie sprechen sich Mut zu, diese Aussichtslosen, erschöpft und tonlos: "Ein wundervoller Tag, ein Tag wie aus dem Ei." Konsequente Recycler auch als Musiker, greifen sich Huber, Peter Wilmanns und Buddy Sacher zwischendurch "A Night in Tunisia" von Dizzy Gillespie, "When I was young" von Eric Burdon, einen Tango oder den Swing von Django Reinhardt und lassen die Stücke mit Saxophon, Gitarre, Schlagzeug und Harmonium erklingen, als seien sie auf einem Schrottplatz zusammen montiert worden.
Das hat seinen trashigen Charme, und zuweilen gelingt es der klappernden Kapelle auch, der Musik ordentlich Leben einzuhauchen. Aber dann folgt garantiert der nächste Absturz, verpasst jemand seinen Einsatz, bricht ein Chorus brutal ab, verliert sich ein Solo im Nirgendwo. Zwischen Tragödie, Poesie und Parodie halten Ars Vitalis ihre Kunst meisterlich in der Schwebe, und wer beim Godot lachen kann, wird es auch hier tun.


 

Tauber-Zeitung vom 6.12.2007

Ars Vitalis bringt in Niederstetten das Publikum zum Trampeln
Guten Abend, alter Bademantel
Sie stecken alle Genres in die Tasche - Attacke auf den Verlust des Staunens

Das Publikum im fast ausverkauften "Kult" skandierte, applaudierte, trampelte und zwang Zugabe auf Zugabe heraus, bis der Kulturamtsleiter, der auch noch lange nicht genug von Ars Vitalis hatte, dann doch Erbarmen zeigte und schlicht das Saallicht anmachte.

NIEDERSTETTEN  Achtung, sie kommen. Achtung: schon sind sie da. Oder doch nicht? Bei Ars Vitalis weiß man das nicht. Sie auch nicht. Das ist Berechnung, Absicht und Verwirrung. Vielleicht haben sie sich verirrt? Dann sind sie richtig. Schließlich kommt die Hitze von oben, und Ars Vitalis schleppt sich schweratmend bis zur Hyperventilation ab mit Koffern, obwohl das Zelt schon lange steht, auch wenn das jeder Mär von Schwerkraft widerspricht.

Klingt wirr? Dann stimmt's, denn Ars Vitalis ist schlechthin Attacke auf Korrektheit, Schublade und den Verlust des Staunens. 1979 haben sich Klaus Huber, Peter Wilmanns und Buddy Sacher verschworen zur selbstgemachten Tücke des Objekts, Blutsbrüderschaft geschlossen gegen alles, was Grenzen setzt, sich selbst und ihre Könnerschaft auf Drums, Trompete, Tuba, Saxophon und Klarinette, Trompete, Mandoline, auf Blasebalg, Pusterohr und Koffer gestaltet zum Gesamtkunstwerk wider alle Genregrenzen. Stoisch und staunend, starrend und stumm: mit Gestik, Mimik, Körpersprache, Geräusch, Musik - nein, halt: Muzik! - und surreal-bizarrem Humor nehmen sie sich die Freiheit, künstlerische Freiheit so ernst zu nehmen, dass sie sich selbst von ihr befreien und gleich das Publikum dazu. Da schneit die Klarinette in den Ruf des Muezzins hinein, erzeugt das Horn höchst eigenartige Sandgeräusche, pusten sie selbst als Winde lokal und ganz global rundrum und über sich hinaus; da bearbeitet Klaus Huber die Drums schon mal mit dem Handfeger, da greift ihm Peter Wilmanns einfach mal ins Schlagwerk und da ist - am "grode See" - über allen Wipfeln Ruh, kippt unversehens Ernst und Heiterkeit in mephistophelisch drohendes Gelächter: Warte nur, balde...
Das Trio konferiert in weltweitem Kauderwelsch, das sich in Japan ebenso bewährt wie in Niederstetten, in Frankreich wie in Mexiko, in Kanada genauso gut wie in Australien. Man sollte sie bei der Uno einstellen, diese drei: die würden selbst erbittertste Gegner dazu bringen, sich prustend um den Hals zu fallen.

Die Mimik, Gestik, Körpersprache ist international - und international absurd, somit perfekt verständlich. Dazwischen Ohrwurm-Weltmusik von Jazz bis Polka, vom Tango bis zum Bluesrock, vom Popsong bis zum schottischen Clansong, das alles so perfekt, dass ihre irr- und aberwitzigen Weiterführungen - infernalische Balanceakte zwischen Perfektion und scheinbarer Improvisation - das Publikum ins Schlingern bringen. Die Lachmuskeln entwickeln Eigenleben, die Ohrmuscheln scheinen zu kreisen, denn zwei davon genügen einfach nicht, um mitzukriegen, was die drei Herrn im Knautschanzug da alles treiben.

Guten Morgen, liebes Badezimmer - und guten Abend, alter Bademantel: Im Kampf der Klänge und Ideen, der Worte und der Wortlosigkeit hat der Alltag mit all seinen Tücken ebenso viel und ebenso wenig Platz wie die philosophische Tiefgrabung, ist höherer Blödsinn in Rein- und Reimkultur angesiedelt. Das Metronom spielt mit und taktet eine Combo, die vor nichts zurückschreckt, sich auch mal ganz schön weit weg von der Musik bewegt und gurgelt - mit Rotwein, selbstverständlich.

Ars Vitalis steckt alle Genres in die Tasche und macht sich einen Spaß daraus, das Publikum kreuz und quer und in ständig wechselnden Umlaufbahnen um die Welt zu jagen, es durch alle denkbaren Musikszenen zu hetzen und durch ein paar undenkbare noch dazu, um zum Schluss wieder bei den "einfachen Dingen" zu landen. Aber Vorsicht: "Verstehen Sie mich jetzt nicht richtig!"

Wie schnell doch so ein Feuerwerk von Lyrik- und Musikverballhornung vorbei ist! Man mag's nicht fassen: das sollen zwei Stunden fast gewesen sein? Schluss, aus, vorbei? Wie schade. Viermal gastierten sie schon hier. Bleibt nur zu hoffen, dass sie trotz kommunalem Sparzwang wiederkommen.

INGE BRAUNE


...Auch nach 27 Jahren bleibt Ars Vitalis das Maß der Dinge in Sachen l’art pour ’art, eine Oase für die von Ernst und Bedeutung Verfolgten, ein süchtigmachendes Remedium gegen die Aufdringlichkeit der Realität. Man muss nur die entsprechenden Rezeptoren anwerfen und wird für immer verwandelt sein.
Süddeutsche Zeitung, 28.02.2007

...Der Titel ihres neuen Progamms passt perfekt zur Großwetterlage: mit "Fernwehen" trifft Ars Vitalis in der Comedia sowohl zielgenau in die meteorologischen Gegebenheiten als auch ins sturmerprobte Humorzentrum der Zuschauer. Wie man es von den drei Herren Huber, Sacher und Wilmanns gewohnt ist, gibt es keine halben Sachen. Sicher ist es zu kurz gegriffen, würde man das Treiben des Trios auf seine parodistischen Züge reduzieren. Schließlich dienen die Vorlagen dazu, eine ganz neue "Muzik" zu Gehör zu bringen. "Es gibt viel Wunderbares", heißt es da, während Buddy Sacher mit seiner unnachahmlichen Mimik das Hereinstürzen der Winde visualisiert und Huber betont, dass er gerne mit älteren Menschen arbeitet, was gewiss auch den musikalischen Einsatz eines Laubsaugers rechtfertigt. "Verflogen die Vögel der Jugend, verweht die Astern des letzten Herbstes", steht als Motto über dem nachhaltig wirkenden Abend, der zeigt, dass auch das größte Tohuwabohu bis aufs i-Tüpfelchen stimmig sein kann.
Kölner Stadtanzeiger, 23.01.2007



 

tz vom 27.04.2004

Die Dompteuere de Irrsinns
"Ars vitalis" feiert 25-jähriges im Münchner Lustspielhaus


"Stille Wasser sind oft trübe Tassen", sinniert der Festredner und faselt etwas von "Schindluderei" und "Kinkerlitze". "Ars vitalis" feiert 25-jähriges im Lustspielhaus: drei Herren in Anzügen, Dompteure des Irrsinns, die aussehen wie eine gemeinsam gealterte erfolglose Combo, bestehend aus Frankensteins Steuerberater, Kafkas Staubsaugervertreter und Dr. Jekylls Türsteher.
Virtuos agieren sie zwischen Poesie und Parodie, zwischen Monk und Marthaler, Davis und Dada; sie jonglieren mit Worten und Tönen, zaubern zarte Melodien aus dem Nichts - und versetzen das von Lachkrämpfen geschüttelte Publikum in einen Zustand aus Faszination und Fassungslosigkeit.
"I am simple, you are simple, live is simple too", intonieren sie - doch das ist trügerisch: Ihre grandiose Komik wurzelt in atemberaubender Musikalität, perfektem Timing und einer minutiös ausgeklügelten Körpersprache: ihr Jubiläumsprogramm, das teilweise ältere Nummernin abgewandelter Form integriert, ist eine skurrile, zum Brüllen komischeSinfonie aus Musik, Text , Licht, Mimik und absurder Choreografie.Die drei Meister der Zwischentöne swingen wie die Sau, verwursten Hardrock-Phrasen auf der Geige und Freejazz-Brocken auf dem Saxophon - und verstehen es sogar, drei Bätter Papier in Musik zu verwandeln.

"Ich sitze an der Drum und mache Bumm": Bei Ars vitalis ist nicht nur der Kehrbesen für ein Schlagzeugsolo gut, sondern auch ein Paar Pantoffeln.. Denn sie haben erkannt: "Wenn wir Erfolg haben wollen, dann müssen wir zu allererst lernen, mit unseren Schlappen umzugehen!"

Marco Schmidt




Münchner Merkur vom 27.04.2004

Der vorvorletzte Ton
Ars Vitalis im Münchner Lustspielhaus

"Long, long ago" singen die drei älteren Herren in Anzügen so breit, als pielte man eine Single mit 33 1/ 2 statt 45 Umdrehungen ab, und mit Mienen, die kaum merklich zwischen lasziv und hochzerknirscht variieren. So begehen Ars Vitalis ihr 25-jähriges Bühnenjubiläum im Münchner Lustspielhaus.

Auch. Der Abend ist einer der verschiedenartigsten Extreme: Frei nach der Devise "I am simple, you are simple, life is simple, too" entladen sie ihren Fantasieüberschuss in Gesichtern, Stimmen und unkonventionell gespielten bis gebauten Instrumenten, in einer grotesken Dada-Collage.
Ars Vitalis schreiben die deutsche wie die tonale Sprache neu, kürzen sie auf weniger als das Notwendigste (und selbst das nur, wenn man ein Auge zudrückt), mit einem Selbstverständnis, als habe es vitalitätsbedingt ihr Arzt empfohlen. Dieses Rezept bringt ihnen eine schnelle Linderung akuter Symptome von Normalität, dem Publikum aber tiefe Runzeln auf die Stirn und starke Schmerzen im Lachmuskelbereich.
Durchgehend wirken sie wie Amateure, die zum eigenen Playback den Mund bewegen. Doch trotz aller Neuschöpfungswut ist zu verstehen, was die drei sagen oder nicht sagen wollen, zu hören, dass die musikalische Qualität sich - auch in konservativen Ohren - auf hohem Niveau befindet. Ars Vitalis ist die Kunst des Simulierens des Simulierens. Understatement der feinsten Art. "Die Zeit ist ein Hase", philosophieren sie mal eben in den Raum hinein, und während der Zuschauer noch zweifelt, hat mindestens einer der drei grundverschiedenen Originale sich schon wieder an einen anderen Gedanken angeschlichen. Schließlich muss die rücksichtslose Abwechslung in den musikalischen Zitaten zwischen leisem Rotlicht-Gesäusel, klagenden Klezmer-Klängen und ohrenbetäubendem Blech-Rap gewahrt werden. Auch symbolisch verzichtet das Trio auf den letzten, abschließenden Ton: Die zu feiernde 25 schreit nach einer nächsten, und es ist höchste Zeit für die Jim-Henson-Company, zu den zwei Alten aus der Muppet-Show einen dritten hinzuzudichten.

Teresa Grenzmann


Ruhr-Nachrichten vom 10.03.03

Traurige Manner, voll stürmischer Originalität
Drei schräge Vögel: Ars Vitalis

Die Bühne schlummert im Halbdunkel. In die Stille hinein schwelt der schwere, flehende Gesang alter Männer. Schulter an Schulter hocken sie auf der Rampe und schaukeln hin und her. Bedächtig, wie ein ächzender, klappriger Kahn bei rauher See.

Drei Männer mit grauen Anzügen und strähnig gekämmtem Resthaar weckten in der Kleinkunstreihe am Freitag die Lebensgeister im vollen Giebelsaal. "Ars Vitalis" erzählte eine groteske Ballade rund um die "grode See". Voll liebenswürdigem Charme. Voll subtilem Humor. Voll stürmischer Originalität.

Meisterhaft spielen die Herren auf der Klaviatur des Seltsam-Skurrilene: Manchmal gleichen Sie den singenden Cartoon-Figuren eines Vicco von Bülow alias Loriot: Den Kopf in den Nacken geworfen, die Lippen geschürzt, den Blick andächtig in höhere Sphären geschwenkt. Dann wieder erinnem sie an die traurige Tanzkapelle eines noch viel traurigeren Vergnügnungsdampfers. Die Hüften wippen steif und ungelenk. Die Finger schnippen unrhythrnisch zum Takt. Und als sei das noch nicht stimmungsvoll genug, baumelt an der Bühnenwand ein schwarzer Ballon. "Wat mut, dat mut." Großartig bizarr.

Doch das ist erst die schrullige, äußere Verpackung für ein furioses Musikkabarett. Tief drin in den wunderlichen Käuzen stecken geniale Musikalität und schier unendlicher Erfindungsreichtum. Rock, Jazz, Blues und Folk fügen die Herren mit dem spießigen Zweireiher virtuos aneinander und fahren dabei mehr als nur einen Orchestersatz an Instrumenten auf: Saxophon, Hom und Fagott, Mundharmonika, Heimorgel und Ukulele, Schläuche, Rasseln und Zwecken: Ars Vitalis würde wohl aus einem Kühlschrank noch Musik 'rausholen.

Zwischendrin treiben die Gewinner von Deutschem Kleinkunstpreis und Prix Pantheon das absurde Theater auf die Spitze. "Ist mein Hund schon fertig?" - "Ihm fehlt noch ein Bein." Solcher Widersinn ist amüsantes Zwischenspiel zwischen irrsinnig gutem Musiktheater. Und dann wieder diese Melancholie: "Eines schönen Tages ging das Meer an Land ..." Gott sei Dank, sonst hätte es Ars Vitalis wohl nicht gegeben. - sit



 

Anneliese Euler,

Irrgarten, in dem reale Instrumente irreale Musik spielen
Stellen alltäglichen Kabarettbetrieb auf den Kopf: Trio Ars Vitalis mit »wiese seen sehnse nix« in Aschaffenburg

Wichtig ist, sich der Magie zu überlassen und den Verrücktheiten, den Tönen und Wörtern, die nichts sagen und die einen übertölpeln mit ihrem Zauber und dabei so viel Nonsens trompeten, dass die Bedeutungsschwere sich von selbst auflöst. Absonderlicher Kram ist das alles, ein Irrgarten, in dem Türen von Sinn und Unsinn auf- und zuschlagen und reale Instrumente irreale Musik spielen: »wiese seen sehnse nix«! Wohl wahr, was die Herren Huber, Sacher und Wilmanns von Ars Vitalis ihrem Programm im Aschaffenburger Hofgarten vorangesetzt haben.
Nur Fetzen werden wahrgenommen, und kaum will man den Sinn erhaschen, hat er sich schon davongemacht. Das ist gekonnt verwirrend und lässt den sich um Pointen abrackernden alltäglichen Kabarettbetrieb Kopf stehen, dafür aber DADA fröhliche Urständ feiern. Die drei Herren und das sind sie wirklich mit ihren gedeckten Anzügen und den gemessenen Bewegungen - nehmen alles tief und ernst, was sie tun.
Der eine mit intellektuellem Gehabe spricht in einer Sprache, in der die letzte Lautverschiebung vergessen wurde und die darum sehr zu Herzen geht mit ihrer urwüchsigen Emphase. Der Zweite erscheint wie ein überdimensionierter Waldschrat, in dem aller Zauber dieser Welt wohnt und der Dritte ist ein bekümmerter Gesichtsträger, der mit Akkuratesse die Melancholie streichelt. Sie treiben gemeinsam die kindischsten Dinge, lassen einen kleinen Plastikvogel am Schlagzeug picken, nehmen mit Brummkreisel und Kleiderbügel Kampfstellung ein, heulen wie aus dem Erdinneren und lauschen bekümmert in ihre Texte. Nichts passt zusammen in dieser Collage und doch alles.
Zärtlich wird das »Eulen, ja, ja« von Ernst Jandl gestreichelt, dass man jedes einzelne Federchen zu spüren meint. Der Hund ist noch nicht fertig, der Mond weit und die Woge aus Blei. Begriffe und Melodien jonglieren miteinander, blasen sich theatralisch auf und schmelzen zu Winzigkeiten zusammen. Soli machen sich auf und kommen nicht weiter mit dem einzigen Ton. Atonales fällt über Melodien her. Wortreigen brechen los mit unverständlichen Versen, Geschichten fangen an, lösen sich auf und tauchen irgendwann mal wieder auf mit einem einzigen Satz, einem einzigen Wort. Das Schlagzeug pendelt vor sich hin, um dann mit Wut behämmert zu werden und sich auf der Höhe minimiert hinauszuschleichen und in die Stille zu lauschen. Ganz absurd ist das alles und voller Poesie.
Irgendwann ertappt man sich dabei, dass man ungläubig den Kopf schüttelt und ein versonnenes Lächeln auf dem Gesicht spürt. Warum? Vielleicht, weil immer etwas ganz anders passiert, als man erwartet, und die drei Verrückten einen längs an die Hand genommen haben und man ihnen gebannt folgt bei dem eigenwilligen
Treiben.
Aber bloß keinen Sinn suchen: Auch nicht in Sätzen wie »Die Menschen werden in die Welt gevögelt, können aber nicht fliegen«. Da kann man sich feste was bei denken. Auch bei »Ich halte stets den Kopf nach oben, damit die Tränen nicht auf die Erde fallen«. Bloß nicht Trübsal blasen, denn der Hund ist noch nicht fertig. Viel besser ist es, das Panorama des nachlässig gespannten Lakens als ein Riesengebirge anzusehen, in dem manchmal der Mond hängt, der Schrat mit Glühwürmchen winkt und die drei aus der Welt gesprungenen Irren uns hineinlocken in ihr krachendes, tobendes, chaotisches, zärtliches Nirwana: »Na dann«, sagen die drei zum Schluss, »machtetjut!«


Rhein-Neckar-Zeitung 25.09.2000

Von der Schönheit des schrägen Gehens
"Sitze rum, mache bumm": Das Kabarett-Jazz-Trio "Ars Vitalis" im Heidelberger Karlstorbahnhof

von Franz Schneider

1995 gab es den Deutschen Kleinkunstpreis für drei Herren aus dem Großraum Köln namens Huber, Sacher und Wilmanns, die ihre kleinen Künste als "Ars Vitalis" bezeichnen. Jetzt kamen sie auch einmal in den Saal des Karlstorbahnhofes. Dort froren sie auf der Bühne. Denn diese glich einem Theater-Eis-Meer, kaltes Linnen fröstelt in seiner schmutzigen Weiße, eine Scholle scheint dahinzutreiben und ähnelt dabei einem auf die Seite stellten Klavier, das man sorgsam verhüllt hat. Aber es ist das Schlagzeug. Das Eingangsszenario passt; denn danach demonstriert »Ars Vitalis«: Musik ist es dann, wenn es nicht so klingt, wie es klingen soll. und ein Text ist ein Text, wenn die Sätze nicht so folgen, wie es logischerweise sein müsste.
Klaus Huber, Peter Wilmanns und Buddy Sacher inszenieren die ständig nicht gelingende Probe eines Jazz-Trios. Sie bilden mit ihren dezenten Anzügen, die ihre Körper uniformieren, auf dass ihre Köpfe nur noch umso charakteristischer draufstecken, eine Einheit, die sich aus kleinen Nuanciertheiten ergibt. Buddy Sacher etwa ist als Jazz-Musiker, also dann, wenn er sich seiner ernsthaften künstlerischen Intentionen erinnert, Gitarrist, der schöne Blues- und Swing-Phrasen beherrscht. Wenn er nicht spielt, ist er ein Passionist des Weltschmerzes, ein Bewanderer schräger Flächen, der davon schwärmt, wie schön das Gehen darauf sein muss. Dann öffnen sich seine Augen kinderweit und sein Mund stößt nach vorne ungläubig wie ein Fisch auf dem Trockenen.

Peter Wilmanns ist ihm gegenüber der gescheiterte Rationalist. Er, ursprünglich der Saxofonspieler, ist ein Virtuose des In-die-Leere-Laufens. Wenn er sich schafft, schaffen und raffen es die anderen beiden nicht, wenn er die Band zusammenhalten will mit seinem strengen Fingerzeig, fällt sie erst recht auseinander. Zumal immer von hinten Klaus Huber dreinschaut. Er wirkt wie ein Max Schmeling, der sich verjüngt hat, weil er im Jenseits Elvis Presley traf: buschige Augenbrauen, markante Ohren an einem Riesenschädel. Mit der Tücke seines Instruments kämpft er geschmeidig wie ein Tiger, wie er überhaupt mit jedem Objekt kämpft. Sein Elend als Tourneekalender-Drummer ist das Credo der exemplarischen Seinsgeworfenheit des Künstlers: »Sitze rum, mache bumm, sitz'ich nicht, fall ich um!« Doch dann steht er auf, singt sich schepp und animiert das Publikum, ob es denn seinen Herzschlag hören wolle, also das rhythmische Geräusch eines Blasebalgs.

Die lebendige Kunst des Trios ist eine der Tonerzeugung mit Hilfe der Ironie. An Hubers Becken hängt ein kleines Schellchen, zu klein für einen finalen Schlag darauf. Anderes wiederum ist zu groß, wiederum anderes eigentlich zur Lauterzeugung gar nicht zu gebrauchen, also darum am besten geeignet für die Kunst, ein gängiges Jazz-Schema in Stücke zu schlagen, damit sich daraus ein Geist hervorbringt, der sich bei "Ars Vitalis" in so wundersam überzeugend platzierten Effekten zum Klingen bringt. Das Geräusch knisternder Gummihandschuhe korrespondiert mit dem Zwitschern eines Vogels im Käfig, der, wenn man ihn kräftig schüttelt, wie eine Quetschkommode sich anhören kann, darauf man doch dann lieber gleich eine solche hervorzaubert, im Riesenformat natürlich, eine mit präzise akzentuierten Details visualisierte Klang-Kunst-Kette.

Das Karlstorpublikum erkannte ruck, zuck! die musikalischen und auch literarischen Qualitäten der Drei. Man wagte, auf ihrer Schräge entlang zu promenieren, auf dass man auf ihr zuletzt in einen Strudel der Begeisterung hineinglitt.
 


Hartmut Zitzen, Kölner Stadtanzeiger vom 5.4.2001

Vom Absurden des Glücks
Ars Vitalis mit neuem Programm "wiese seen sehnse nix"

  Typisch Ars Vitalis: Mit falschen Versprechungen wurde das Publikum am Dienstagabend zur Vorpremiere in den nahezu ausverkauften Lindenhof gelockt. "wiese seen sehnse nix" heißt das neue Programm, bei dem es natürlich eine ganze Menge zu sehen, zu hören und zu staunen gibt. Klaus D. Huber, Peter Wilmanns und Buddy Sacher erwiesen sich dabei einmal mehr als Meister nie zuvor vernommener Zwischen-, Neben- und Untertöne, die das fassungslos-faszinierte Auditorium durch gezielte Irreführung aufs richtige Gleis leiten.
  Wie von einem furchtbaren Schicksal geschlagen kommen sie in geisterhafter Bühnenbeleuchtung als abenteuerlich verbogene und gekrümmte Gestalten daher, die Dürrenmatt'schen Albtraumphantasien entsprungen scheinen. Greifen dann zu rätselhaften Gegenständen, die unter ihrer Kunstfertigkeit zu Instrumenten werden, auf denen der eine diesen, der andere jenen Ton entdeckt. Licht und Schatten, Sprache und Geräusch, Gestik und Mimik verschmelzen schließlich zu einem fortwährenden Drama, dessen Höhepunkte, wundersam-widerspruchslos, zutiefst tragisch - und brüllend komisch sind. Was den tröstlichen Gedanken nahe legt, dass auch das größte Glück nur eine menschliche Absurdität ist.
  Selbst sinnfreies Friesenplatt, von Wilmanns mit entsprechendem Pathos vorgetragen, legt dem Publikum tiefschürfende Weisheiten nahe. In weit vorgebeugter Haltung gerät Huber derweil mit dem Kopf zwischen die Beine von Sacher und preist solchermaßen - buchstäblich als Arschgesicht - den aufrechten Gang als größten Vorzug der Menschen. Und ganz nebenbei schlägt das Trio während dessen atemberaubende Spannungsbögen durch instrumental gesetzte Kontrapunkte - mal hoch, mal tief so wie das Leben selbst. Die Mienen der Künstler spiegeln dazu (un-)passend tiefste Besorgnis, größtmögliche Blasiertheit oder vollkommene Verständnislosigkeit.
  Umsonst gibt's das Vergnügen am Genie von Ars Vitalis also nicht. Die Künstler erwarten von ihrem Publikum die Fähigkeit, mit scheinbar unüberbrückbaren Gegensätzen leben zu können. Wer das schafft, kann auch mit Depressionen kommen und wird zum Lohn dafür mit einem innerlichen Grinsen entlassen, das für die nächsten paar Tage anhält.


PETER CLAUS   Radio 1    27.04.99

A sentimental journey

In die wüste Welt verquerer Töne und Geräusche versickert das Spiegelzelt in einen surrealen Äppelkahn vertrackter Träume. Liebenswert versponnen und versonnen watscheln da drei bettpfannen-reife Herren durch ein von ihnen selbst geschaffenes Universum; die Sterne quietschen manchmal traurig, entfalten dann Sirenengesänge, jazzen woody allen'sch. Als Sättigungsbeilage zum Menue akustischer Leidenschaften, Textfetzen von der Batterie des Fleisches, Quer- und anderen Schlägen aus jenem Raum der Stille, der von 300 Buchhaltern verwaltet wird. Kafka meets Gershwin - eine köstlich-kuriose Melange.
Die drei erstklassigen Musiker zaubern, jonglieren, griffeln auf klassischen Instrumenten wie Saxophon, Gitarre, Schlagzeug, würzen mit Prusten, Fingerschnippen Kreisch - Grunz - Stöhn und scheinbar unendlich vielen anderen Tonträgern. und -erzeugern. Was entsteht, das ist vielleicht eine Symphonie der Großstadt - verklärt morgens um fünf beim Schneeflocken-Walzer -, vielleicht aber auch das Muhen einer Kuh, die zuviel Frischgras gefressen hat - vielleicht beides und mehr, auf jeden Fall ist es höchst anspruchsvolle Unterhaltung, für alle zum Beispiel, die orange hören - und ne kräftige Krümelage Pfeffer im Ohr haben, selbstgeblasen, selbstverständlich.
...
Aber Achtung! Phantasie nicht anschnallen. Losgelöst von allen Konventionen ist der Genuß am kräftigsten und plötzlich siehst du, wie Töne zu Bildern werden, wie da etwa Fellini sich in Marilyn verwandelt, die grad noch Doktor Schiwago war, oder Robert Schumann seine schönsten Melodien obduziert.
Wunderrrrrbaaarrrrr! Ein Flamenco der Lust im schmissigen Bossa-Nova-Rhythmus mit ekstatischem Tango-Schmacht-Schmelz samt Rolling-Stone-Hype.
Noch einmal: Wunderrrbarrr!!!!!


Uwe Sauerwein, BERLINER MORGENPOST, 29.4.99

Jazz mit Schlappen

Ars Vitalis spielt "Muziques Con Crêtes" in der Bar jeder Vernunft

"Ich sitze an den Drums und mache Bums" sinniert Klaus D. Huber trübselig hinter der Schießbude. Nur wie er diesen "Bums" erzeugt und welches Mienenspiel er dazu aufsetzt, das macht dem Perkussionisten von Ars Vitalis niemand nach. Da wird der "Besen" für die ruhigen Jazz-Weisen kurzerhand durch zwei Handfeger ersetzt, und auch die guten alten Hausschuhe können durchaus für ein virtuoses Schlagzeug-Solo herhalten. Denn: "Wenn wir Erfolg haben wollen, müssen wir zu allererst lernen, mit unseren Schlappen umzugehen."
Fast genau sieben Jahre ist es her, daß die Bar jeder Vernunft mit Ars Vitalis ihren Einstieg in die Berliner Kleinkunstszene feierte. Die Rückkehr des Kölner Trios ins Spiegelzelt kommt einem Heimspiel gleich. Trotz des neuen Programmtitels "Muziques Con Crêtes" sind die drei Herren mit ihren abgetragenen Anzügen und der Pomadenfrisur dem früheren Motto "Muzik als Theater" treu geblieben. Wieder wird ein absurdes Stück geboten, in dem Alltägliches zu Musik wird und umgekehrt. Eine wüste sprachliche und klangliche Mischung, die irgendwo zwischen Dada und Surrealismus, zwischen Jandl, Strauß, Marthaler sowie Charlie Parker und deutschem Volksgut anzusiedeln ist. Bar aller Genregrenzen eine so fulminante wie komische Show, die Banalität zur Kunst erhebt - und dabei doch selbst hochartifiziell ist.
Denn um Jazz zu parodieren, muß man ihn auch wirklich spielen können. Und daran hat man bei Buddy Sachers irrwitzigen Gitarrenläufen sowie Peter Wilmanns Soli auf Saxophon und Klarinette ebensowenig Zweifel wie bei Klaus D. Huber, der nicht nur trommelt, sondern auch als Trompeter einem Miles Davis alle Ehre erweist.
Genau deshalb erzeugt es Lachsalven, wenn ständig ein Einsatz verpaßt wird, wenn das Stück aus den Fugen gerät, weil angesichts überbordender skurriler Einfälle jeder dem Kollegen das Wasser abgräbt oder ihn gar ins offene Messer laufen läßt. Selten finden Albernheiten auf solch hohem intektuellen Niveau statt. 


FOLKHARD OELWEIN Süddeutsche Zeitung 23.2.98

Geschäftsführer des Chaos zelebrieren die Pleite
Die drei Rückwärtsdenker von "Ars Vitalis" werden im "alten Kino" vom Publikum gefeiert

Ebersberg - "Zweimal zehn Minuten Pause!" verkündet Peter Wilmanns nach der ersten Stunde, und beim Aufstehen und Beinestrecken trifft's einen wie ein kurzer Genickschlag: Warum nicht einfach 20 Minuten? Und das ist der Moment, in dem man "Ars Vitalis" langsam begreift. Die drei Manager des Irrsinns in knapp sitzenden dunklen Anzügen - Klaus Huber, Buddy Sacher und Peter Wilmanns - haben im "alten Kino" auf Gitarre und Klarinette mit einem Alptraum inbrünstiger, nach Lavendel und gestärkten Hemden riechender E-Musik begonnen - Konfirmanden beim Abschlußkonzert der Jugendkantorei - und die ganze quälende Weihe sofort mit Griffelkreischen auf einer Schiefertafel zerschrillt.
Sie reißen eine Bebop-Phrase oder ein paar Takte Free Jazz an - auf noch zugedecktem Schlagzeug, mit Miniventilator über der eingewickelten Gitarre, mit Tuberkulosehusten und Scatsong durch vor den Mund gebundene Spitztüten - und die ganze angestrengte Esoterik von Generationen avantgardistischer Jazzusiker und Neutöner fliegt auf den Müll.
Sie halten einen Rohrkrümmer als Megaphon über das Rauschen einer sich im Glas auflösenden Brausetablette, sie lassen mitten im flüssig gespielten Set einen kleinen Fallschirm aus der Fahrradpumpe ploppen. Sie nehmen einer Bühnenrezitation die Worte weg und ziehen ihrer Gespreiztheit mit Mimik, Plappern und Grunzen die Hosen runter. Eine gefühlvolle Rumba zerplatzt noch im Ohr, wenn man plötzlich den Schlagzeuger wie einen pensionierten Latino spielen sieht - mit Handfeger und Kehrichtschaufel - und einen Paso Doble zelebrieren sie mit so grauenhaft genauer Tanzstundenanstrengung, daß man auf den schrecklichen Verdacht kommt, so könne jeder Idiot spielen: "I am simple, you are simple, life is simple too!"
Natürlich ist das Gegenteil der Fall. Man braucht nur zu erleben, wie die drei vor dem nächsten Musikstück ihre riesigen Notenblätter angestrengt studieren, umdrehen, falten, zerknüllen oder auf's Knie dreschen, wie gerade aus diesen Geräuschen ein flotter synkopisierter Rhythmus entsteht - dann weiß man, daß hier erstklassige Dompteure des Chaos auf der Bühne stehen, die durch winzige geistige Seitensprünge feste Erwartungsmuster zerstören und Absurdität in Sprache, Musik und Theater herstellen: "Seltene Tiere durch seltene Gegenstände springen lassen statt häufige Tiere durch häufige Gegenstände!" (Peter Wilmanns).
Ob sie mit Notenblättern Musik machen, mitten in der Aufführung die Bühne abbauen oder vom Kollegen den Kammerton "O" verlangen: "Ars Vitalis" denkt rückwärts, assoziiert in der verkehrten Reihenfolge, hat falsch aufgedampfte Halbleiter im Gehirn und legt mit unerbittlicher Konsequenz des Irreseins den Gedanken an ein irres Sein nahe.
Das ist Mikrobenkunst, geboten von todernsten Geschäftsführern des Chaos, exzellenten Musikern, glänzenden Mimikern und perfekten Pointenmanagern, die jede Ordnung in die Pleite führen und dabei sogar die Lichttechnik akribisch genau einsetzen.
Der scheinbar planlose und doch so wunderbar vernetzte Müll sprachlicher und musikalischer Versatzstücke begeisterte das Publikum im brechend vollen "alten Kino" bis zum Trampeln, und auf der Heimfahrt war man versucht, statt mit den vorgeschriebenen 50 Stundenkilometern zweimal mit 25 Stundenkilometern durch die Ortschaft zu fahren. Oder mit der Musikkassette einen Walzer auf die Antenne zu trommeln. Aber es guckt ja kein Schwein.


Anna-Bianca Krause, DIE ZEIT

Wieder auf Tournee: Ars Vitalis, drei Musiknarren, verkordelt in göttlichem Spiel

Das Urbrummen, in Hochform

Karg wirkt die Bühne in der Comedia Colonia. Ein ehemals weißes Laken, das sich wie ein Segel aufbläht. Der Lärmpegel im Saal erinnert eher an ein Wirtshaus. Dann ein Schlurfen, Männer in abgetragenen, zu knapp gewordenen Anzügen und mit schwerwiegender Pomade im Haar treten auf und setzen sich: erst einer, dann zwei, drei. Umständlich greifen sie zu ihren Instrumenten, werfen sich den einen oder anderen Halbsatz zu, als seien sie ganz unter sich. Dann spielen sie, ernsthaft, eine Komposition aus dem Jahr 1954, direkt vom Blatt (angeblich). Doch tatsächlich wird daraus eine Parodie auf die esoterischen Rituale Neuer Musik, auf das elende Orchestermusikerdasein: einzelne Töne, feierlich angeblasen, gezupft und geschlagen. Brausetabletten , aufgelöst; Trillerpfeifen, Gartenschläuche, Keksdosen und Abflußrohre, traktiert; und dazu ein mysteriöser Gesang, der so ähnlich klingt wie.. "Der Pfeifen lungerte der Hund". Plötzlich, mittendrin, hat sie sich aufgelöst: die vor allem in Deutschland so außerordentlich scharf bewachte Grenze zwischen der U- und der E-Musik.
Klaus Huber, Peter Wilmanns und Buddy Sacher denunzieren ihre Kollegen nicht. Sie haben sich lange genug in den verschiedensten musikalischen Genres herumgetrieben, sie kennen die Probleme des Metiers, auch den täglichen Kampf mit dem Instrument. "An manchen Tagen habe ich das Gefühl, ich haue auf einen Pappkarton", sagt Schlagzeuger Huber, und Saxophonist Wilmanns erklärt: "Es ist wichtig, das Instrument so klingen zu lassen, wie es will. Das will nämlich nicht immer so wie ich." Ein Plektrum könnte auch ein eßbarer Kartoffelchip sein, bei einem Bläser ist das wichtigste zweifellos das Luftholen.
Anfangs hieß dies musikalische Narrenschiff noch Collegium Ars Vitalis. Mit den Jahren blieb das Collegium weg, die absurd-abgehobene Verschrobenheit der drei ist geblieben. Auch ihr neues, in Köln uraufgeführtes Programm "Eher Muzik als Theater" ist ein Trip durch die Höhen und Tiefen der Klangwelt, egal ob als Sprachmusik oder als Musiksprache. Musik ohne Gesten, Blicke oder Worte, ohne Bilder oder Bezüge ist tatsächlich etwas sehr Ernstes. An diesem Abend aber geht sie mit dem Lachen eine göttliche Liaison ein.
Worüber lacht man? Normalerweise über musikalische Unfälle, über unabsichtlich falsch Gespieltes oder etwa darüber, wie sich die Familie alle Jahre wieder an zwei oder drei Weihnachtsliedern vergreift. Verballhornungen, Verfremdungen oder musikalische Satiren, jede subtilere und abstraktere Form von musikalischem Witz erfordern nämlich ein gehöriges Quantum Selbstironie; außerdem eine tiefe Liebe zur Musik, die Kenntnis dessen, was vorher war, und den virtuosen Umgang mit dem Material. Genau das ist seit über zehn Jahren die Grundlage von Ars Vitalis.
Umgeben von einem allgegenwärtigen Swingflair, fangen sie umherirrende Partikel ein, spielen sie Monk und Mingus, die Tiere des Jazz (wie sie diese Musiker nennen), zitieren sie die Residents, Jandl, Chicago und Aqsak Maboul, die Schnulze "1 love Paris" oder Eartha Kitts Song "Uskedara". Und spielen dabei immer nur sich selbst. Das Licht der betagten Scheinwerfer zeichnet Kontraste wie im Stummfilm und verstärkt den Charme der Vergänglichkeit der drei Herren. Wie eine gemeinsam erfolglos gealterte Combo stehen sie auf der Bühne, als professionelle Falschspieler, denen das Leben schwer zu gesetzt hat. War der Witz eben noch zart und subtil, so kann er im nächsten Moment mitten in einem Kalauer landen oder schwere H-Schlagseite kriegen: "Hund nhun hein Hedicht hon Hilelm Husch". Stillos? Aber nein! Die Schnulzen sind gefühlsecht, der Jazz ist inbrünstig. Miles Davis' "Scetches of Spain" beispielsweise ist so dynamisch, wie es das Original nie war: Vom Überblasen zum Spiel ohne Ton reicht die Kunst der drei.
Huber, der verwilderte Bayer, ist ein stoischer Trotzvogel: Er übt sich im innehalten. Vor jedem Schlag scheint er zu überlegen, auf welche seiner Trommeln er nun draufhauen soll. Sacher, ein Cocktail-Gitarrist Marke sechziger Jahre, trägt die ganze Grandezza des gescheiterten Virtuosen in sich. Er ist der reife Künstlerapfel, der noch nicht von der Bühne fallen will, mißtrauisch und leicht diabolisch. Wilmanns dagegen wechselt die Rollen; er ist mal altmodischer Verführer, mal aal glatter Studiomusiker, abschätziger Musikprofessor oder der völlig introvertierte Jazzer mit dem kölschen Akzent.
Wie Standbilder einer verlorenen Zeit, in der es noch auf das Detail ankam, stehen sie selbstversunken auf der Bühne, beschäftigt mit den wenigen Utensilien, die vorhanden sind. "Wieseseensensenix." Die Dialoge und Texte, sprachverkordelt und aus Mißverständnissen geboren oder in miserablem Englisch und Französisch, wandern so lange von einem Mund zum andern, bis sich göttliche Wortspiele daraus erheben: Geschichten, die so noch niemand erzählt hat. Diese Buchstahenorgien und Satzsalate sind mit dem Verweis auf Dada nur teilweise beschrieben. Huber, Sacher und Wilmanns haben das Urbrummen zu einer Hochform entwickelt. Sie reden miteinander wie drei, die noch nicht richtig sprechen können. Sätze werden zu Luftschlangen, Worte zu Würfeln, die durch den Raum kullern. Jede Geste, jeder Satz, jeder Ton findet seine Nische, nur das Publikum scheint fehl am Platze. Es sitzt im Saal und ist doch nicht vorhanden. Seltsamerweise nimmt es den drei ulkigen, einsamen, langsamen Männern diesen Affront aber nicht übel. Im Gegenteil: Es lacht.
Die drei von Ars Vitalis lachen nie, sie lächeln nicht einmal. Es ist die Konsequenz, die große Ernsthaftigkeit selbst in der plattesten Pointe, die Wirkung zeigt. Warum ihre Darbietung so perfekt funktioniert, daß sie 1996 sogar den Kleinkunstpreis gewannen, dafür haben sie inzwischen auch eine einfache Erklärung: "Wenn es uns gefällt; wenn das unser Humor ist, dann ist das auch Humor fürs Publikum, das haben wir mit der Zeit herausgefunden. Als wär das etwas Objektives, als wäre das so was wie ein Gegenstand, für den man keine Spezialbrillen braucht."
Kompromisse werden nicht gemacht. Auch das Nichtgesagte, Nichtgespielte hat seinen Platz. Herr Sacher kennt noch eine Geheimformel, sie lautet: "Die Pausen gehören zwingend zur Musik." 


"Dunkel wird's im Saal, der kalkweiße Vorhang flattert. Er schlurft auf die Bühne. Er hat ein Saxophon. Er sieht aus wie Frankensteins Steuerberater. Sein Outfit: grauer Zweireiher, drei Nummern zu klein. Sein Brilliantineverbrauch entspricht dem einer mittelgroßen Stadt in Süditalien. Auch seine Kumpel dünken mir unheimlich: Der mit der viel zu kleinen Trompete sieht aus wie Jaques Chirac nach einem Urlaub in Mururoa und der andere könnte problemlos einen Bestattungsunternehmer in David Lynchs "Twin Peaks" mimen, ohne sich groß zu verstellen. Leute also, denen man vor einer Urlaubsreise nicht unbedingt Fiffi, Gießkanne und Wohnungsschlüssel anvertrauen würde. Woher kommen diese Kerle? Aus Leverkusen? Was doch die chemische Industrie alles mit den Menschen anstellt!
(Mittelbayerischen Zeitung)
"Lässig und leise spielen sie mit Schatten, Noten und Worten, malen Laute in Kölsch und klauben Worte in Kauderwelsch ..." "Daß alle Einsätze stimmen, ist nicht nur eine Frage der Technik, sondern vor allem eine Sache der Haltung, der Körperhaltung. Denn ob die drei lässig Free-Jazz intonieren oder sich als biedere Kaffeehausband zeigen, entscheidet nicht alleine die Virtuosität ihrer Improvisation. Es ist eben auch ihre ausgefeilte Körpersprache, die die grandiosen Parodien ausmacht. Musik wird da - obwohl allgegenwärtig - zur schönsten Nebensache."
(DIE WELT)
"Die 'ars vitalis', die lebende Kunst, entschlüpft diesen drei Künstlern wie von ungefähr - über das unbedarfte Mienenspiel, die unnachahmlich devote Körperhaltung, über das köstliche Gespräch mittels mehrsprachig ineinanderfließender Urlaute und Wortfetzen, assoziativ und vielschichtig. Gewürzt bisweilen mit Zutaten aus dem rheinischen Dialekt, ziehen die drei alle Register des Schmerzes, der Heiterkeit, der Melancholie; selbst die Debilität wird tief nachempfunden zelebriert. Die so eigenwillig 'alternative' Komik fließt aus den Wortbeiträgen, der Pantomime ein in das Saxophon, die Gitarre, das Schlagzeug, in die grandios interpretierten Musikstücke: Parodien des Cool- und Freejazz, des Tango und Mambo, die so glaubwürdig ins Publikum übersprinqen, ohne mit Komik zu kokettieren..."
(Passauer Neue Presse)
"Hätten wir Sterne zu verteilen, wir holten ihnen die Milchstraße vom Himmel. Schenkten wir Rosen diesen dreien, wir kauften alle Sträuße der Stadt ..." "Wer Ars Vitalis, diese liebenswerte Kunst versäumt, wird mit mindestens drei Stunden Jürgenvonderlippehelgeschneiderdiedoofen bestraft"
(Süddeutsche Zeitung)
"Hingehen, hören, sehen, staunen! - Denn die meisten Jokes verweigern jede Beschreibung."
(Tageszeitung)
"Collegium Ars Vitalis. Cette énigmatique appellation latine cache le talent de trois facétieux lascars. Messieurs Peter Wilmanns, Klaus D. Huber et Reinhard Josef Sacher font en effet dans le cabaret jazz surréaliste. Tout un programme, qu'ils n'ont d'ailleurs aucune peine á vous faire apprécier tant il déborde d'invention, d'humour ludicosonore. Ars Vitalis met les sons - et quels sons - en scène avec tout ce qui passe à sa portée. Tenir la liste de ses délires musicaux tient de la gageure. Ça sonne dans tous les genres, du raggae à la bossa-nova, de la marche populaire et bavaroise aux tubes de Broadway. Wilmanns est le fou soufflant de ce trio qui dérape en finesse sur les rythmes les plus inattendus. L'oeil et les doigts rivés à ses cordes, le guitariste Sacher vous file le fou rire en plein blues. Et puis il y a le batteur, Huber. Une gueule et une dégaine à vous tirer des larmes, avec ou sans baguettes. Ces trois artistes, musiciens autant que mimes et comédiens, taillent leur spectacle dans une fine dentelle tissée du meilleur comique. Impossible de les entendre sans admirer la maîtrise théâtrale de ce Collcgium qui fait s'esclaffer le Théâtre du Grütli."
(Le Courrier, Genève) 
Mainichi Daily News, Japan, October 3, 1997
Amusing muses let loose
Art of performing lives in the heart of Ars Vitalis

BY WAYNE GABEL
Staff Writer

The sometimes surrealistic world of Ars Vitalis is not an easy one to describe, but it's one that's always full of humor and a bit of chaos.
With performances that routinely cross the boundaries between music and theater, it's often difficult to tell which side of the fence the German trio is on at any given moment.
The title of 'Ars Vitalis' current program, "Eher Musik als Theater" (More Music than Theater), would seem to settle the matter, but translations of the group's Latin name offer other clues.
"There are several explanatons," guitarist Buddy Sacher told the Mainichi Daily News in a telephone interview prior to the group's Tokyo shows. "One is 'the art of living', and the other is 'living art'."
Needless to say, this is art that is very much alive. Sacher and his colleagues, clarinetist/saxophonist Peter Wilmanns and drummer Klaus D. Huber, draw on the traditions of jazz, folk and classical music, then fuse them with elements of European cabaret to create an atmosphere in which sound has to be seen as well as heard and a place where language is more melodious than intelligible.
Against a backdrop of sheets that wrap the stage in a Christo-like fashion, the Leverkusen-based trio move from musical genre to genre while bathed in what Sacher deseribes as some deliberately unflattering lighting.
Although all three are proficient musicians in the traditional sense, some of their instruments are decidely untraditional. Toy pianos and organs, garden hoses, balloons, bits of paper, and even a tablet dissolving in a glass of water all contribute to the songs and stories of Ars Vitalis.
"We tell stories with musical characters. We try to play them with our instruments", Sacher explained.
Audiences in Japan, however, will have to make do without some of the spoken-word pieces that usually feature in the group's performances. The liberties that Sacher and company take with the language might be lost on the non-German-speaking public.
"Even in Germany, not all people understand our kind of language", he said. "We play with language like we play with music."
Their visual presentation, on the other hand, crosses borders more easily. They've done their cultural homework, too. Now on their first tour of Japan, Ars Vitalis had their Kansai audiences in hysterics with a physical haiku that defies the abilities of most humans.


The Daily Yomiuri, Japan, September 25, 1997

Live is a Musikabarett, my friend

By Mikiko Miyakawa
Daily Yomiuri Staff Writer

With just their faces standing out in the dark, spotlit by several lights from below, two middle-aged men clad in dark suits slowly slunk out onto the stage with awkward motions that made the audience burst into laughter.
After the third man had eventually made his way onto the stage, the trio started playing music.
Are they musicians or comedians? Both! The German trio Ars Vitalis blurs the boundary between music and comic theater.
But Ars Vitalis members, Klaus Huber, Buddy Sacher and Peter Wilmanns are excellent musicians. Huber is a drummer, Sacher is a guitarist and Wilmanns plays the saxophone and the clarinet. Their repertoire is broad-from classical to rock and jazz pieces. But the three are not only skilled at playing such conventional musical instruments. What knocks you out is their ability to turn anything - even a piece of paper or children's toys - into instruments on which they can play music.
Their group's name - Ars Vitalis - means "lively art" in Latin. They are also known as the so-called "Kabarettisten," or actors who perform on a stage called "Kabarett." Though some German-English dictionaries translate Kabarett into cabaret, the concept of the two words are significantly different. Kabarett is more like a "literary" vaudeville theater.
Kabarett theater works are usually full of satire and sarcasm pointed at politicians and other celebrities, and puts high emphasis on dialogue. Ars Vitalis' performance is dubbed "Musikkabarett," or a combination of music and Kabarett.
The Japan tour that was kicked off last week in Kobe was the first performance outside of Europe for the group based in Leverkusen, a small city near Cologne, central Germany. Isse Ogata, a Japanese comedian-actor whose reputation is based on his solo performances, was fascinated with the group and decided to invite them to Japan. Ogata himself has performed in other countries, including Germany and the United States.
"I was very nervous because I was not sure how the Japanese audience would respond to our performance," said Huber after their first performance last week in Kobe. "But I was relieved. Their response was excellent." He said he was particularly pleased that the audience seemed to concentrate on their performance, adding that German audiences are not so attentive.
Their performance in Japan deliberately contains more music than dialogue, in consideration of the language barrier between the performers and the audience, according to Huber. Despite their concerns, the audience seemed somehow to get their verbal messages through motions, even when they were speaking "nonsense" German.
The three, all in their 40s, met when they were around 20 years old, and formed Ars Vitalis 15 years ago. They said the secret to maintaining a good relationship with each other is in the number of the members of the group. "If there are three, two are always right and one is wrong," Sacher quipped.
The group received the Deutscher Kleinkunstpreis (German vaudeville prize) in the vaudeville division, and judges praised the three men as "strange clowns and at the same time excellent musicians."
"Comical seriousness" is what the trio intends to create on the stage, Huber said.


ARS VITALIS Peter Wilmanns
e-mail: mail@arsvitalis.de